Im Boxring gegen Rechtspopulismus
Vortrag am 28.3. um 19:30 im Boxwerk über rechtspopulistische Ansprache auf Social Media von Franziska Koschei vom JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis und Input aus der praktischen pädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen von Patricia Perreira von Gesellschaft macht Schule e.V.
Die letzten Sportler verließen das Boxwerk gerade, als sich am Samstagabend die Menschen im hinteren Raum rund um den historischen Olympiaboxring sammelten.
Die Lichterkette e.V. hatte gemeinsam mit Gesellschaft macht Schule e.V. und dem Boxwerk zu einem thematischen Abend zu Rechtspopulismus auf Social Media geladen. Nach einer Begrüßung von den Geschäftsführer:innen Joel Zambito und Ilka Ann Wörner, berichtete Franziska Koschei über verschiedene Formen rechtspopulistischer Ansprache – seien es Internet-Memes, TikTok-Videos, oder Kommentare/Verlinkungen zu problematischen Inhalten.
Sehr klar zeigte sie die Wirkmächtigkeit von Bildern auf, erklärte beispielsweise die Bezüge auf „Natur“, auf die „gute Mutter und weiße Hausfrau“ mit denen Tradwife- und Cottagecore-Influencerinnen ihre Inhalte füllen und die sehr leicht anschlussfähig für rechte Inhalte sind – wenn sie diese nicht schon selbst transportieren. Diese Ästhetiken scheinen harmlos und verträumt, doch werden sie beispielsweise auch von prominenten Frauen der identitären Bewegung aufgegriffen und genutzt, um ein ethnisch „reines“ Europa zu propagieren.
Besonders problematisch ist es, wenn solche Darstellungen, die eine einfache Welt ohne große Komplexität versprechen oder die unterschwellig rechtes Gedankengut salonfähig machen, auf einen sehr jungen und/oder nicht medienkritisch geschulten Geist treffen, der die Informationen nicht angemessen hinterfragen, oder einordnen kann. Verstärkt wird dieser Effekt durch den Algorithmus von TikTok, der einfache und prägnante Inhalte gegenüber komplexen bevorzugt und solche, die möglichst viele, möglichst emotionale Reaktionen hervorrufen.
Von der Gefahr, die rechtspopulistische Inhalte auf Social Media für Kinder und Jugendliche darstellen berichtet auch Patricia Perreira, die Beispiele aus ihrer pädagogischen Arbeit mitgebracht hat. Diese Gefahr sei vielen Eltern nicht bewusst, die ihre Kinder unbeaufsichtigten Zugang zu Social Media ermögliche – in der Annahme diese seien ja zuhause, in ihrer Nähe und in Sicherheit – während sie jedoch oft Inhalten ausgesetzt sind, die sie noch nicht kritisch reflektieren können. Und doch gibt es nach ihrer Erfahrung einen Wunsch bei vielen Kindern und Jugendlichen nach einem guten und fairen Umgang allen Menschen gegenüber, auch im Netz.
In der regen Diskussion zwischen dem Publikum und den beiden Referent:innen, moderiert von Autorin und Lichterkette e.V.-Mitglied- Heike Papenfuss, gab es viele Fragen und Vorschläge zu Möglichkeiten mit Rechtspopulismus auf Social Media umzugehen und dagegen vorzugehen. Genannt wurde Gegenrede – solche regt erwiesenermaßen zum kritischen Nachdenken über die Inhalte an. Kritische medienpädagogische Bildung in Schulen, wäre eine weitere sinnvolle Maßnahme, genauso wie eine Gesetzgebung und Strafverfolgung, die die Social-Media-Anbieter selbst in die Pflicht nimmt und dies konsequent durchsetzt.
Es war ein spannender, kurzweiliger Abend, der zum Nachdenken und aktiv werden anregte. Unser Dank geht an alle Mitwirkenden und an Nick Trachte vom Boxwerk für die gelungene Kooperation.
Wir können die Präsentationsfolien gerne per E-mail zusenden. Bitte einfach anfragen unter: info@lichterkette.de